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Zentbechhofen

Der Ort, erstmals 1109 im Ausstattungsbrief des Bamberger Klosters St. Jakob erwähnt, lag in dem 1070 bezeugten Königsforst und Wildbann. Das Pechsuchen in diesem mit Nadelholz bestockten Wildbezirk gab dem Ort den Namen und war der Ausgangspunkt für die Siedlung.

Die Ortsflur lud kaum zur Besiedelung ein. Dass die Entwicklung des Ortes bereits in die frühen Zeiten der fränkischen Kolonisation zurückreicht, legen die Rechte der Einohner an der alten Landsgemein, der Kregelmark, nahe.

Zwischen 1304 und 1327 erwirbt das Hochstift Bamberg die Schlüsselbergischen Anteile an Zentbechhofen. Im gleichen Zeitraum verkaufen die Herren von Hohenlohe-Brauneck hier ihren Besitz: 1317 veräußern sie das Holz oberhalb des Ortes an Friedrich Zollner, Schultheißen zu Bamberg, und Eberhard Gross, den Keller zu St. Jakob. 

1341 vergeben sie fünf Lehengüter dem Kloster Schlüsselau, dem sie noch 1357 ein Gut eigenen. Dieser Besitz des Klosters Schlüsselau ist noch am Ende des alten Reiches bezeugt. 

Die Zehntrechte des Bamberger Domdekans, die noch 1801 erwähnt sind, gehen wohl auf eine Seelmessstiftung für die Domherren Hermann von Staffelstein und Wolfram von Kronach zurück, die 1362 ein Heinrich Lutz von Bechhofen vor dem Domdekan bestätigt.

Wichtigste Zäsur in der Geschichte des Ortes war die Übertragung des ehemals schlüsselbergischen Zentgerichts in Schnaid in den bis dahin noch meist Linhardsbechhofen genannten Ort. Erstmals 1478 ist dieses Gericht hier bezeugt, das dann dem Ort den Namen geben sollte. Der Anlass für die Verlegung war zweifellos die Verpfändung von Schnaid an die Stiebar gewesen. 

An die Hochgerichtsbarkeit, die das Zentgericht wahrzunehmen hatte, erinnerte ein Galgen, den noch eine Jagdkarte 1608 zeigt, wo aber bereits 1732 und 1801 nur noch das sogenannte Galgenholz erwähnt ist. Den ursprünglichen Charakter des Zentgerichts, die genossenschaftliche Organisation der Gerichtsbarkeit auf der Grundlage alter bäuerlicher Freiheit, hatte es bereits im 16. Jahrhundert verloren. Wenn noch im 18. Jahrhundert die zwölf Schöffen zu den jährlichen drei Gerichtstagen zusammentreten, ist ihre Aufgabe nur die eines Feld- und Rügegerichts.

Die Kriminalgerichtsbarkeit der Centverpflichteten war an das Amt übergegangen; denn über die alte Gerichtsorganisation hatte sich bereits bei der Übertragung dieses Gerichts 1478 die territorialstaatliche Amtsorganisation geschoben, der Amtmann war zugleich der Zentrichter, und nur als sein Vertreter atmete 1478 noch der „sitzende Zentrichter”, ein Bauer.

Dieser Amtmann als Zentrichter war zugleich Kastner, Steuer-, Zoll- und Aufschalgseinnehmer und dazu noch Oberschlossverwalter zu Hallerndorf. 1801 beschreibt Roppelt das „von Quadernsteinen ganz neu errichtete zwei Stockwerke hohe Amtshaus”, neben dem es noch ein neu erbautes Jägerhaus und ein Amtsknechtshaus im Ort gab. Nach Auflösung des Zentgerichts wurde das Amtshaus im 19. Jahrhundert Forstamt.

1322 wird hier erstmals eine Kirche erwähnt. 16 Bischöfe gaben ihr damals einen Ablass von 40 Tagen, was wahrscheinlich mit der Errichtung eines Kirchengebäudes im Zusammenhang steht. Die ursprüngliche Tochterkirche von Seußling wurde 1455 eigene Pfarrei. Der Patron der Kirche war der heilige Leonhard, als bäuerlicher Patron seit dem 14. Jahrhundert bekannt, der Pferdeheilige.

die Kirche wurde Mittelpunkt der bis ins Spätmittelalter hineinreichenden Leonhardiwallfahrt, deren Einzugsgebiet sich im 18. Jahrhundert noch im Wesentlichen mit der alten Zent Schnait deckt. Nach seinem Heiligen hieß der Ort bis in die frühe Neuzeut hinein Linhardsbechhofen.

1455 wurde die Kirche von Seußling getrennt und zur eigenen Pfarrei erhoben. Bald darauf, zwischen 1474 und 1495, wurde die Kirche, eine ehemalige Wehrkirche, stark umgebaut. Der Jesuitenpater Gamans berichtete 1653, dass am Eingang des Kirchenschiffs die Jahreszahl 1481 stand. In der Reformationszeit öffnete sich Zentbechhofen der Neuen Lehre.

Wahrscheinlich wegen lutherischer Neigungen wurde 1530 der Pfarrer Nikolaus Hausslinger dimittiert. Später hatte der lutherische Pfarrer zu Sambach großen Einfluss. 1594 muss der Kaplan Eberhard Örtel zunächst noch das Scheitern seiner gegenreformatorischen Bemühungen eingestehen. Doch wenige Jahre später konnte der Pfarrer Georg Gerhard berichten, dass sich alle seine Pfarrkinder zur Kommunion eingestellt hätten.

Im Dreißigjährigen Krieg, der den Ort ziemlich unberührt gelassen hatte, soll der Pfarrer Johann Götz von den Schweden getötet worden sein. Doch dürfte dieses Martyrium auf Legendenbildung beruhen. Aus der Leonhardikirche in Zentbechhofen stammte der sogenannte „Würdinger“, eine massive Eisenplastig von 48 cm Höhe, die sich heute im Domschatz zu Bamberg befindet. Dieses Stück Volkskunst aus dem Mittelalter hat zu den verschiedensten Deutungen Anlass gegeben, meist wird es mit der Bekehrung der Wenden in Zusammenhang gebracht, doch die naheliegendste Deutung scheint die von Hans Jakob sein, der die Figur für Votivgabe eines Schmieds für den Pferdeheiligen Leonhard hält.