Panel ffnen/schlieen

Sterpersdorf

„Zum Dorf des Stercfried” bedeutet dieser Ortsname, wie die Namen Stertzfridesdorf (1160) und Sterfridesdorf (1243) nahelegen. Die Vermutung ist verlockend, einen 823 in einer Schenkungsurkunde Ludwigs des Frommen genannten fränkischen Edelfreien Stercfrid als Gründer dieses Ortes zu sehen.

  • © Klaus Strienz
  • © Klaus Strienz
  • © Klaus Strienz

Von dem Siedlungszentrum der Urpfarrei Lonnerstadt ist auch die Frühgeschichte dieses Ortes abhängig; an den Kolonisationsausbau der Würzburger Bischöfe erinnert noch der Altzehnt, der 1303 als Würzburger Lehen dem Hermann von Türlin verliehen war.

1144 ist ein Heinrich von Sterpersdorf erwähnt. Weiteren Besitz hatten hier die Seckendorff inne. 1383 verkaufte Konrad von Seckendorff ein Gut, ein Lehen der Herren von Hohenlohe-Brauneck an die Frühmesse zu Höchstadt, wobei der Lehensherr auf seine Rechte verzichtet. Diesen Zehnt haben im 15. Jahrhundert die Markgrafen an sich gezogen. Vor allem aber war Sterpersdorfs Geschichte mit dem Zoll vorbunden, der an der Aischbrücke erhoben wurde, über welche die wichtige Handelsstraße Würzburg–Lonnerstadt–Höchstadt–Nürnberg führte. Diesen Zoll, ebenfalls ein Würzburger Lehen, hatten 1303 die Ministerialen von Lonnerstadt inne, die ihn 1403 an Hans von Vestenberg verkauften, von dem er wenige Jahre später an die Nürnberger Patrizier Rummel überging.

Der Burgstall zu Lonnerstadt, von dem der Zoll abhing, gab diesem Recht die machtmäßige Sicherung. Ein Hof, den 1414 Konrad von Lonnerstadt an den Bischof von Bamberg verkauft, scheint ebenfalls hiermit zusammenzuhängen. Der Sterpersdorfer Zoll in Händen Nürnberger Patrizier inmitten Bamberger Gebietes forderte Streitigkeiten geradezu heraus. Verträge von 1523 und 1537 befreiten zunächst den Höchstadter Handel von dieser Aufgabe. 1609 ließ Bamberg die Zollstätte gegen den heftigen Widerstand der Paumgartner, an die dieses Recht gekommen war, schließen.

1622 reißen die Einwohner selbst die Brücke ein, um marodierenden Truppen den Weg zu verlegen, nach dem Dreißigjährigen Krieg aber, an dessen Ende der Ort „ganz in Asche” lag und nicht bewohnt wurde, ziehen die Bamberger Bischöfe das Zollrecht an sich und lassen 1671 hier eine Zollsäule errichten.

Kirchlich gehörte Sterpersdorf zunächst zur Urpfarrei Lonnerstadt und wurde nach Bildung der Pfarrei Höchstadt zu dieser eingepfarrt. eine Kapelle der Heiligen Vitus, Modestus und Creszentia ist bereits zu Anfang des 15. Jahrhunderts bezeugt, doch hat sie, was die Namen der Patrone nahelegen, ein wesentlich höheres Alter. In der Reformationszeit versuchte die Reichsstadt Nürnberg, Sterpersdorf zur neugebildeten protestantischen Pfarrei Lonnerstadt zu ziehen. 

Am 7. Mai 1878 wird Sterpersdorf zur selbstständigen Pfarrei; sie wurde von dem Geistlichen Rat und Hofkaplan König Ottos von Griechenland, Andreas Arneth, errichtet, dessen Mutter gebürtig aus Sterpersdorf war.

1801 bestand Sterpersdorf neben der Kapelle aus zwölf Häusern, elf Stadeln, einem Gemeindehiertenhaus und einer Mühle mit drei Mahlgängen, die bereits im Dreißigjährigen Krieg erwähnt wurde. Die Dorfstruktur geht auf die Wiederbesiedlung nach dem großen Krieg zurück, nachdem die Pest 1627 und der schwedische Einfall 1631 den Ort fast entvölkert hatten. Die nach dem Kriege „auftauchenden Familiennamen haben sich zum großen Teil bis heute erhalten”. 

Die Sozialstruktur des Dorfes aber hat sich in jüngster Zeit stark verändert: „Das ehemalige rein bäuerliche Dorf wurde im letzten Jahrzehnt zum Dorf der Pendler.”